Wie Vipassana in die Gefängnisse kam

In dem folgenden Text berichtet S.N.Goenka, wie es zu den erstenVipassana-Kursen in Gefängnisse kam:

In den ersten Jahren, nachdem ich aus Burma gekommen war, um in Indien zu lehren, wurde ein Kurs von der Schwiegertochter Mahatma Gandhis im Ashram von Sevagram arrangiert. Etwa fünfzehn Weggefährten Gandhis nahmen daran teil. Sie waren sehr angetan von dem Kurs. Als er zu Ende war, nahmen sie mich mit zu einem in Indien sehr verehrten, heiligen Menschen, der ganz in der Nähe lebte, um mich mit ihm bekanntzumachen. Es war Vinobha Bhave.

 Er war ganz begeistert von Vipassana und sagte, daß diese Technik, wenn sie wirklich heilbringend und ergebnisorientiert sei, sich im ganzen Land ausbreiten müsse. Aber er fügte hinzu: "Ich werde dieses Vipassana nur dann akzeptieren, wenn es zu guten Ergebnissen in zwei Bereichen der Gesellschaft führt: bei hartgesottenen Kriminellen und bei Schulkindern." Ich erwiderte: "Ich bin ganz sicher, daß es hilfreich sein wird. Ich bin noch neu in diesem Land; ich habe dieses kostbare Juwel des Dhamma von außerhalb mitgebracht. Wir sollten jetzt sehen, daß wir es zum Nutzen für das Land einsetzen. Bitte treffen Sie die notwendigen Absprachen und Vorbereitungen."

 Er arrangierte einen Kurs für Jugendliche. Wie jeder der vielen Kurse für Kinder seit dieser Zeit, war er erfolgreich, und Vinobha Bhave war glücklich. Dann traf er Vorkehrungen für einen Kurs, der im Gaya-Gefängnis gehalten werden sollte. Aber einen Tag, bevor der Kurs beginnen sollte, erklärten die für die Strafanstalt verantwortlichen Beamten, daß ich außerhalb des Gefängnisses bleiben müsse. Ich sagte: "Das ist nicht möglich. Vipassana ist eine tiefe Operation des Geistes, und ich bin wie der Chirurg. Ich muß 24 Stunden am Tag anwesend sein. Es könnte etwas passieren, und ich bin verantwortlich. Ich muß drinnen, ich muß im Gefängnis sein." Aber sie beharrten darauf: "Gemäß den Strafanstalts-Regeln können Sie nicht im Gefängnis bleiben." Ich bat sie eindringlich: "Dann geben Sie mir eine Gefängnisstrafe von zehn Tagen!" Aber sie wollten nicht einwilligen. Vinobha wollte etwas neues arrangieren, aber bevor er das konnte, starb er.

 Glücklicherweise kam einige Jahre später der Innenminister von Rajasthan, Ram Singh, zu einem Kurs in Jaipur. Er war sehr begeistert und wollte unbedingt etwas tun. Er sagte: "Dies muß bei Kriminellen versucht werden!" Auch er hatte von der Herausforderung von Vinobha Bhave gehört. Er organisierte die ersten Kurse, welche im Zentralgefängnis von Jaipur durchgeführt wurden; die Regeln wurden abgeändert, um mir zu ermöglichen, für die vollen zehn Tage im Gefängnis zu bleiben. Auf diese Weise wurde der Ball ins Rollen gebracht.