Dr. Kiran Bedi
EinführungIm November 1993 wurde der erste Vipassana-Kurs in Indiens größtem Gefängnis abgehalten. "Die Atmosphäre", in den Worten der Generalinspektorin für Gefängnisse, Frau Dr. Kiran Bedi, "wartete geradezu auf Vipassana. Wir benötigten dringend eine Methode wie diese, die geeignet war, zu einer Verhaltensänderung zu führen. Wir konnten keinen anderen Weg finden." Frau Bedi hatte durch die Einführung einer Serie multidimensionaler Reformen bereits die Vorarbeit geleistet. Diese Reformen umfaßten Entgiftungsprogramme, gesündere Ernährung und verbesserte sanitäre Anlagen, Unterricht in Lesen und Schreiben sowie in Fremdsprachen, der von Gefangenen selbst gegeben wurde, Yoga, Gebet, Meditation, juristische Beratung durch Gefangene, die selbst Anwälte waren, Baumpflanzaktionen, um eine "grüne Zone" innerhalb der Gefängnismauern zu schaffen, und die aktive Einbeziehung der lokalen Bevölkerung. Es entstand eine Atmosphäre gegenseitigen Respekts und Vertrauens, als die Gefangenen sahen, daß sie ihren Kummer öffentlich ausdrücken konnten, ohne dafür bestraft zu werden. Der leitende Direktor von Gefängnis Nr. 2 beschrieb dies so: "Sie begann ein System des direkten Zugangs zu den Nöten der Gefangenen, indem sie einmal am Tag einen versiegelten 'Kummerkasten' für Beschwerden der Insassen herumgehen ließ, und sie bestand darauf, alle Klagen selbst zu lesen und sofort entsprechende Maßnahmen einzuleiten ... Sie ermutigte die Gefangenen, jeden Nachmittag zusammenzukommen und ihre Sorgen in ein öffentliches Mikrophon zu sprechen. Sie bat alle Insassen, sie nicht als Gefängnisbeamtin zu sehen, sondern vielmehr als ihre Schwester und die Gefängnisdirektoren als ihre Brüder. Viele ergriffen die Gelegenheit, einige Beamte oder die Verwaltung zu kritisieren. Gegen diese Gefangenen wurde nicht eingeschritten ... Das Ergebnis war, daß sich binnen zwei Monaten die gesamte Atmosphäre in Tihar verändert hatte." Nichtsdestoweniger fühlte Frau Bedi die Notwendigkeit einer Methode, die in der Lage war, diese bereits eingetretenen Veränderungen zu stabilisieren. Sie fand sie in Vipassana: "Ich hatte die ganze Zeit nach einer Verhaltensmethodik gesucht, die eine wirkliche Veränderung bewirken würde. Ich sprach mit den Gefangenen und dem Gefängnispersonal, aber alles, was ich sagte, ging zum einen Ohr hinein und zum anderen wieder hinaus. Wir haben so viel Zeit damit verbracht zu reden, aber letztendlich änderte sich wenig. Nachdem Vipassana eingeführt wurde, ist es tief in sie eingedrungen. Vipassana bereitete den Boden und schuf die notwendigen Bedingungen dafür, daß die anderen Reformmaßnahmen tiefe Wurzeln schlagen konnten. Es brachte die Gefangenen dazu, mehr in Frieden mit sich selbst zu leben. Man konnte sehr viel besser mit ihnen zusammenarbeiten, weil aus ihnen bessere Menschen geworden waren. Nur die Vipassana-Kurse hatten bleibende Veränderungen bewirkt." Nachdem Goenkaji das neue Zentrum am 15. April eröffnet hatte, war Frau Bedi eine derjenigen, die zu den 1100 Versammelten sprach. Die folgenden Zitate, übersetzt aus dem Hindi, sind dieser Rede entnommen:
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